· 

Kerstin Salhoff: PAR - die neue Behandlungsstrecke

Seit 2017 wurde nach mehrjährigen Vorarbeiten ein neues Konzept für die Behandlung von Parodontalerkrankungen bei GKV-Versicherten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der sich seit 2013 damit befasst hat, welches ab 01.07.2021 die derzeitige 40 Jahre alte Behandlungs-Richtlinie in eine neue eigenständige Richt­linie ersetzt. Ziel ist die Bekämpfung der Volkskrankheit!

Durch die Änderung der PAR-Richtlinie zum 1. Juli 2021 haben neue Abrechnungspositionen Einzug in den Bema gehalten und bestehende Leistungen wurden an die neue Richtlinie angepasst. PAR-Pläne mit Therapiebeginn ab 01.07.2021 werden also nach der neuen Versorgungsstrecke abgerechnet.

 Quelle: Grafik der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg

 Systematische Behandlung von Parodontopathien in eigenständige Richtlinie (PAR-Richtlinie) überführt

 

Somit ist Parodontitis eine unmittelbar behandlungsbedürftige Erkrankung, die gemäß Wirtschaftlichkeitsgebot nach

(§ 12, SGB V) entsprechend zu behandeln und abzurechnen ist.

 

Exc1 oder Exc2 obsolet

Die behelfsweise Abrechnung der Exc1 über DTA ist durch die unten abgebildete Teilung in PAR- und Behandlungsrichtlinie obsolet. Auch bei wenigen Restzähnen ist ein PAR-Status zu erstellen, wenn die parodontale Behandlungsbedürftigkeit festgestellt wird.

Wenn der Bema-Leistungsinhalt gemäß der Behandlungsrichtlinie erbracht ist, gilt:

Exc1 = Exzision von Mundschleimhaut oder Granulationsgewebe für das Gebiet eines Zahnes (auch für Notfälle, bei denen Granulationsgewebe zu entfernen ist)

Exc2 = Exzision einer Schleimhautwucherung (z. B. lappiges Fibrom, Epulis)

Inz = z. B. für die Eröffnung eines Taschenabszesses - ­ je­doch keinesfalls „Exc1 für PAR“!

Auch bei Restzahnbestand hat der Patient Anspruch auf die 2-­jährige Therapiestrecke!

 

Somit gilt dies auch bei Patienten die dem § 22a zugeord­net sind:

Die modifizierte Behandlungsstrecke betrifft die Patientengruppe mit einem Pflegegrad nach § 15 Elftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) oder die Eingliederungshilfe nach § 99 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) erhalten und bei denen die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Mundhygiene nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist, oder die einer Behandlung in Allgemeinnarkose bedürfen, oder bei denen die Kooperationsfähigkeit nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist.

Die vertragszahnärztliche Entscheidung, anstelle der systematischen Behandlung gemäß der PAR-Richtlinie die Leistungen

nach Satz 1 zu erbringen, ist der Krankenkasse anzuzeigen.

Die Leistungen unterliegen nicht der Antrags- und Genehmigungspflicht.

  • Die in BV Nr. 2 a-d geregelten Leistungen umfassen initial soweit möglich als Grundlage der Therapie Anamnese, Befund und Diagnose entsprechend § 3 PAR-Richtlinie – Abrechnung mit Bema Nr. 4
  • Wenn eine umfängliche Anamnese und Befundung bei dem betroffenen Personenkreis nicht möglich ist, sind als Mindestvoraussetzung Sondierungstiefen an mindestens zwei Stellen pro Zahn
  • AIT bei Sondierungstiefen von 4 mm oder mehr - Abrechnung AIT
  • CPT bei mehr als 6 mm nur bei Behandlung in Allgemeinnarkose, als Alternative zur AIT - Abrechnung CPT
  • Die Entscheidung obliegt dem ZA - somit kann hier AIT neben CPT zusammen erbracht werden (Vermeidung von erneuter Narkose)
  • Anspruch auf UPT – jedoch unabhängig vom Grading!

Quelle: eigene Grafik in Anlehnung an die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns

Die eigenständige PAR-Richtlinie (nicht mehr Bestandteil der Behandlungsrichtlinie) enthält zusätzliche Leistungen wie das Ärztliches Gespräch und „Unterstützende Parodontitistherapie“ (UPT). Das Versorgungskonzept mit acht Therapieschritten wurde von der KZBV, BZÄK und der DG PARO, zur Bekämpfung der Volkskrankheit erarbeitet und dient als Grundlage für die Neuausrichtung der Parodontitis-Behandlung im GKV-Bereich. Der GB-A ist den Empfehlungen der DG Paro gefolgt.

PAR-Pläne mit Genehmigung bis zum 30.06.2021, bei denen die Behandlung noch nicht begonnen wurde, müssen entwertet und neu beantragt werden. Patienten, bei denen die PAR-Behandlung nach bisherigen Richtlinien beantragt und durchgeführt wurde, haben keinen Anspruch auf die neuen Leistungen (z. B. UPT, etc.). Somit ist es notwendig, Behandlungsabläufe und Leistungsketten neu zu definieren, um Regresse zu vermeiden und konform der Richtlinien abzurechnen. Zielführend ist dabei die Kenntnis der Abgrenzung zur Privatleistung.

 

Das ändert sich ab 01.07.2021 für die zahnärztliche Ab­rechnung mit der neuen PAR-­Richtlinie

  • Das Aufklärungs- und Therapiegespräch sowie die Anleitung des Patienten zur Mundhygiene gehören zur Versorgungsstrecke innerhalb der PAR-Behandlung
  • Der Begriff „Compliance“ wird durch „Adhärenz“ ersetzt
  • Die 6-Monats-Vorgabe für auswertbare Röntgenaufnahmen wurde in 12-Monatsgrenze geändert
  • Die nachfolgend aufgeführten Formulare liegen inzwischen den Vertragspartnern (BMV-Z) zur Unterschrift vor:

Auszug aus Anlage 14a des BMV­Z (formale Vereinba­rung folgt)

Formulare für die vertragszahnärztliche Versorgung, Stand 01.07.2021

Formulare aus dem vertragszahnärztlichen Bereich

Vordruck 5a - Parodontalstatus Blatt 1

Vordruck 5b - Parodontalstatus Blatt 2

Vordruck 5c - Mitteilung über eine chirurgische Therapie (offenes Vorgehen)

Vordruck 5d - Verlängerung UPT (nicht besetzt)

Vordruck 5e - Anzeige einer Behandlung von Parodontitis bei anspruchsberechtigten Versicherten nach § 22a SGB V

Vordruck 11 - Ergebnisse Parodontaler Screening-Index (PSI)

 

Anpassung: BEMA-Nr. 04 = 12 Punkte = Erhebung Parodontaler Screening-Index

Die Messung des Parodontalen Screening-Index (PSI) bei Versicherten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erfolgt an den Indexzähnen 11, 16, 26, 31, 36, 46 bzw. bei deren Fehlen an den benachbarten bleibenden Zähnen. Der Durchbruch dieser Zähne sollte abgeschlossen sein.

Die Messung des PSI bei Versicherten ab Vollendung des 18. Lebensjahres erfolgt an allen vorhandenen Zähnen (Ausnahme 8er). Die Befunderhebung mittels einer Messsonde (WHO-Sonde) mit halbkugelförmiger Spitze und Markierung (schwarzes Band zwischen 3,5 und 5,5 mm) durchgeführt.

Die Leistung kann in einem Zeitraum von zwei Jahren einmal abgerechnet werden. (= 7 Leerquartale), jedoch nicht während der PAR-Versorgungsstrecken (siehe UPT).

NEU: Der Versicherte erhält eine Information über das Untersuchungsergebnis, den möglichen Behandlungsbedarf, die Notwendigkeit zur Erstellung eines klinischen und eines röntgenologischen Befunds sowie zur Stellung der Diagnose. Diese Informationen erfolgen in einer für den Versicherten verständlichen Art und Weise auf dem Vordruck 11 der Anlage 14a zum BMV-Z.

PSI-Formular bitte mit Praxisstempel an den Patienten aushändigen. Dafür erhalten Sie 2 Punkte mehr.

Ein Screening-Ergebnis von Code 3 oder 4 rechtfertigt weitere Therapieschritte wie z. B. ausführliche Anamnese, Röntgenaufnahmen.

PZR versus UPT?

Klarstellung: Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist eine hochwirksame und anerkannte Präventionsleistung, aber keinesfalls eine Therapieleistung. Sie ist eine Maßnahme im Sinne der Primärprävention zur Vermeidung einer Parodontitis. Eine UPT hingegen ist eine Folge- und Therapieleistung im Sinne der Tertiärprävention, aber keine Prophylaxeleistung.

In der UPT-Phase ist die Durchführung einer PZR, so fern als prophylaktische Maßnahme indiziert, als zusätzliche Maßnahme möglich!

Ob neben der therapeutischen Maßnahme (UPT) auch eine prophylaktische PZR erforderlich oder sinnvoll ist, kann nur der behandelnde Zahnarzt entscheiden!

 

Angepasst: Bema-Nr. 4 = Befunderhebung und Erstellen eines Parodontalstatus = 44 Punkte

Im Zuge der Umstrukturierung der PAR-Richtlinie wurde der Parodontalstatus überarbeitet und angepasst. Erstmals sind bei der patientenspezifischen Dokumentation Informationen zu Diabetes (HbA1c-Wert) und zum Rauchverhalten zu erheben (Nichtraucher, <10 Zigaretten/Tag, ≥10 Zigaretten/Tag).

Die Messung der Sondierungstiefen (in ganzen Millimetern, z.B. 3,5 = 4mm. Parodontien mit 3,4 mm erhalten keine AIT) und Sondierungsbluten erfolgt an mindestens zwei Stellen pro Zahn (mesio- und distoapproximal), wobei die Angabe von bis zu sechs Messstellen möglich ist. Furkationsbefall, Zahnlockerung und Zahnverlust aufgrund von Parodontitis vervollständigen die klinischen Parameter.

Beim Röntgenbefund ist der röntgenologische Knochenabbau in % pro Zahn und als Knochenabbauindex (% KA/Alter) anzugeben.

Eine Behandlungsbedürftigkeit zu Lasten der GKV liegt vor, wenn eine der folgenden Diagnosen gestellt wird und dabei eine Sondierungstiefe von 4 mm oder mehr vorliegt:

  • Parodontitis,
  • Parodontitis als Manifestation systemischer Erkrankungen,
  • andere, das Parodont betreffende Zustände, zum Beispiel generalisierte gingivale Vergrößerungen.

Die Behandlungsbedürftigkeit der Parodontitis wird durch die Beschreibung des Stadiums (Staging) und Grades (Grading) der Erkrankung weiter spezifiziert. Der festgestellte Grad der Parodontalerkrankung im Rahmen der Ersterhebung ist entscheidend für die PAR- Maßnahmen und insbesondere für die Frequenz der UPT.

  • Stadium I: initiale Parodontitis, röntgenologischer Knochenabbau koronales Drittel (<15%), kein Zahnverlust aufgrund von Parodontitis, maximale Sondierungstiefe ≤ 4 mm, vorwiegend horizontaler Knochenabbau, Ausdehnung und Verteilung lokalisiert (< 30% der Zähne), generalisiert oder als Molaren/Inzisiven Muster
  • Stadium II: moderate Parodontitis, röntgenologischer Knochenabbau koronales Drittel (15-33%), kein Zahnverlust aufgrund von Parodontitis, maximale Sondierungstiefe 5 mm, vorwiegend horizontaler Knochenabbau, Ausdehnung und Verteilung lokalisiert (< 30% der Zähne), generalisiert oder als Molaren/Inzisiven Muster
  • Stadium III: schwere Parodontitis mit Potenzial für weiteren Zahnverlust, röntgenologischer Knochenabbau mittleres bis apikales Drittel, Zahnverlust durch Parodontitis von ≤ 4 Zähnen, Sondierungstiefe ≥ 6 mm, vertikaler Knochenabbau ≥ 3mm, Furkationsbefall Grad II oder III, Ausdehnung und Verteilung lokalisiert (< 30% der Zähne), generalisiert oder als Molaren/Inzisiven-Muster
  • Zusätzlich zur Komplexität des Stadium III: Notwendigkeit einer komplexen interdisziplinären Rehabilitation aufgrund von mastikatorischer Dysfunktion, sekundärem okklusalem Trauma (Zahnbeweglichkeit ≥ Grad 2), Verlust der Bisshöhe, Zahnwanderungen, Auffächerung der Front, weniger als 20 Restzähne mit 10 okkludierenden Paaren, Ausdehnung und Verteilung lokalisiert (< 30% der Zähne), generalisiert oder als Molaren/Inzisiven-Muster
  • Stadium IV: schwere Parodontitis mit Potenzial für Verlust der Dentition, röntgenologischer Knochenabbau mittleres bis apikales Drittel, Zahnverlust durch Parodontitis von ≥ 5 Zähnen
  • Grad A langsame Progressionsrate, Knochenabbau (%) / Alter < 0,25, Nichtraucher, kein Diabetiker
  • Grad B moderate Progressionsrate, Knochenabbau (%) / Alter 0,25-1,00, Raucher, < 10 Zigaretten / Tag, Diabetiker HbA1c < 7,0%
  • Grad C rasche Progressionsrate, Knochenabbau (%) / Alter > 1,00, Raucher, ≥ 10 Zigaretten / Tag, Diabetiker HbA1c ≥ 7,0%

NEU: Bema-Nr. ATG = Parodontologisches Aufklärungs- und Therapiegespräch = 28 Punkte

Das parodontologische Aufklärungs- und Therapiegespräch ist laut Paragraf 1 Abs. 5 Zahnheilkundegesetz nicht delegierbar und erfordert die persönliche Leistungserbringung durch den Behandler.

Das parodontologische Aufklärungs- und Therapiegespräch umfasst: die Information des Versicherten über den Befund und die Diagnose, die Erörterung von gegebenenfalls bestehenden Therapiealternativen und deren Bedeutung zur Ermöglichung einer gemeinsamen Entscheidungsfindung über die nachfolgende Therapie einschließlich der unterstützenden Parodontitistherapie, die Information über die Bedeutung von gesundheitsbewusstem Verhalten zur Reduktion exogener und endogener Risikofaktoren und die Information über Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen. Die Ä1 darf neben dem ATG in derselben Sitzung nicht abgerechnet werden.

 

NEU: Bema-Nr. MHU = Patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung = 45 Punkte

Die MHU soll den langfristigen Behandlungserfolg sichern. Auch hier ist der Delegationsrahmen Paragraph 1 Abs. 5 Zahnheilkundegesetz streng zu beachten.

Die patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung erfolgt im zeitlichen Zusammenhang mit der Leistung nach Nr. AIT und umfasst folgende Leistungen:

  • Mundhygieneaufklärung: im Patientengespräch soll herausgefunden werden, über welches Wissen zu parodontalen Erkrankungen der Patient verfügt, welche Zahnpflegegewohnheiten er hat und ob und welche langfristigen Ziele bezogen auf seine Mundgesundheit vorliegen,
  • Bestimmung des Entzündungszustands der Gingiva,
  • Anfärben von Plaque,
  • Individuelle Mundhygieneinstruktion,
  • praktische Anleitung zur risikospezifischen Mundhygiene- praktische Übung zur Anwendung mit den für den Patienten geeigneten Mundhygienehilfsmittel.

Die Mundhygieneunterweisung soll die jeweilige individuelle Patientensituation berücksichtigen. Auch hier darf die Ä1 nicht neben der MHU in derselben Sitzung abgerechnet werden.

Cave: ATG und MHU bitte erst nach Genehmigung des PAR-Planes durchführen und abrechnen und auf die Daten und eine sorgfältige Dokumentation achten, da auch künftig die Therapie begutachtet werden kann.

 

 

 

Bema-Nr. AIT: Antiinfektiöse Therapie (früher Bema Nummer P200 und P201 - keine Veränderung)

Bema-Nr. AIT a je behandeltem einwurzeligem Zahn = 14 Punkte

Bema-Nr. AIT b je behandeltem mehrwurzeligem Zahn = 26 Punkte

Gegenstand der antiinfektiösen Therapie ist die Entfernung aller supragingivalen und klinisch erreichbaren subgingivalen weichen und harten Beläge (Biofilm und Konkremente) bei Zahnfleischtaschen mit einer Sondierungstiefe von 4 mm oder mehr.

Die Maßnahme erfolgt im Rahmen eines geschlossenen Vorgehens und sollte nach Möglichkeit innerhalb von vier Wochen abgeschlossen werden.

Bei besonders schweren Formen der Parodontitis, die mit einem raschen Attachmentverlust einhergehen, kann im zeitlichen Zusammenhang mit der antiinfektiösen Therapie die Verordnung systemisch wirkender Antibiotika (Antibiotika-Rezept) angezeigt sein.

Mit der AIT sind während oder unmittelbar danach erbrachte Leistungen nach den Nummern 105, 107 und 107 a abgegolten. Eine Gingivektomie oder Gingivoplastik ist ebenso mit der AIT abgegolten.

 

Bema-Nr. 108 = Einschleifen des natürlichen Gebisses zum Kauebenenausgleich und zur Entlastung, je Sitzung = 6 Punkte

Die Bema-Nr. 108 steht auch weiterhin zur Verfügung, wenn Einschleifmaßnahmen im Zuge einer PAR-Behandlung notwendig sind, sie kann jedoch nicht im Zusammenhang mit konservierenden, prothetischen und chirurgischen Leistungen abgerechnet werden.

Weiterhin muss die 108 nicht mehr mit auf dem PAR-Plan beantragt werden.

Das Beseitigen von Reizfaktoren ist Teil der Therapiestrecke. Damit ist das Beseitigen von natürlichen Reizfaktoren wie Zahnstein oder Plaque nicht mehr Voraussetzung für die PAR-Behandlung.

 

Bema-Nr. 111 = Nachbehandlung im Rahmen der systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontalerkrankungen, je Sitzung = 10 Punkte

Unverändert sind alle Nachbehandlungen im Rahmen der PAR-Therapie nach der Bema-Nr. 111 abgerechnet. Die alleinige Kontrolle rechtfertigt den Ansatz der Bema-Nr. 111 nicht.

Leistungen nach Nrn. 38 und 105 können nicht neben Leistungen nach Nr. 111 abgerechnet werden, soweit Maßnahmen in derselben Sitzung an derselben Stelle erfolgen.

Werden neben einer PAR-Nachbehandlung nach Bema-Nr. 111 weitere Nachbehandlungen nach chirurgischen Eingriffen (z.B. Ex, Ost,) erbracht, können diese gesondert abgerechnet werden. Bitte achten Sie auf eine exakte, ausführliche Dokumentation, um Rückfragen der KZV zu vermeiden. Regressansprüchen der Krankenkasse.

  1. Abrechnungsmöglichkeit nach AIT

In einigen KZV-Bereichen wird die „Handabrechnung“ akzeptiert. In Bayern kann die Abrechnung über die KZV erst erfolgen, wenn die EDV-Firmen mit einem Update die Online-Übertragung realisieren können. Das eHKP-Verfahren soll erst im Laufe des Jahres 2022 zur Verfügung stehen, somit müssen die PAR-Anträge derzeit bis auf weiteres in ausgedruckter Form an die Krankenkassen zur Genehmigung geschickt. Der VDDI ist bemüht, so schnell wie möglich die EDV-Systeme zu aktualisieren.

Nach Leistungserbringung der AIT ist die erste Abrechnung der Behandlungsstrecke möglich. Vergessen Sie nicht ggf. erbrachte Nachbehandlungen mit Bema- Nr. 111 abzurechnen!

Die später anfallenden Leistungen der neuen Behandlungsstrecke werden über die monatliche Abrechnung bei Ihrer KZV eingereicht. Sie müssen demnach nicht bis zum Ende der Behandlungsstrecke, also zwei Jahre warten, um Ihr Honorar zu erhalten. Der Punktwert richtet sich nun immer nach dem Tag der Leistungserbringung.

Die Änderungen der PAR-Richtlinie machen eine genaue Anamnese, Befundung, Diagnosestellung und insbesondere Dokumentation zur Pflicht.

Die Erstbefundung bei der Erstellung des PAR-Status ist entscheidend, da die Bestimmung des Grades die Frequenz der UPT-Maßnahmen regelt. Auch hier ist die zahnärztliche Leistung ein Muss.

 

NEU: Bema-Nr. BEV= Befundevaluation = 32 Punkte

Die neue Behandlungsstrecke Verlaufs- und Erfolgskontrolle der PAR-Behandlung vor. Deshalb erfolgt 3 bis 6 Monate nach Beendigung der antiinfektiösen Therapie/ dem geschlossenen Vorgehen (AIT) die erste Evaluation der parodontalen Befunde. Nun entscheidet der Behandler, ob der Patient in die unterstützende Parodontitis Therapie (UPT) zur Nachsorge aufgenommen wird, oder ob ggf. ein Umweg über die chirurgische Therapie/offenes Vorgehen (CPT), ggf. auch an einzelnen Zähnen erforderlich ist.

Die vorgeschriebene Dokumentation der BEV a nach AIT oder BEV b nach CPT umfasst:

  • Sondierungstiefen und Sondierungsblutung,
  • Zahnlockerung,
  • Furkationsbefall,
  • Röntgenbefund, röntgenologischer Knochenabbau mit Angabe des Knochenabbauindex (%/Alter)

Die neu erhobenen Befunddaten sind mit den Erstbefunden des Parodontalstatus und dem vorliegenden Röntgenbefund zu vergleichen. Bei Taschentiefen von 6mm oder mehr kann ein chirurgisches Verfahren eingeleitet werden, an das sich dann ebenfalls nach 3 bis 6 Monaten die erneute Befundevaluation (Bema-Nr. BEV b) anschließt.

Bei der Befundevaluation wird dem Patienten der Nutzen der UPT Maßnahmen, die notwendige Nachsorge zur Sicherung des Therapieerfolges, und die weiteren Therapieschritte erläutert.

Auch hier darf die Ä1 nicht in derselben Sitzung abgerechnet werden!

Eine Änderung im Rahmen der Befundevaluation hinsichtlich des Gradings führt nicht zu einem veränderten Leistungsanspruch der UPT-Frequenz!

 

Bema-Nr. CPT Chirurgische Therapie (früher Bema Nummer P202 und P203- keine Veränderung)

Wie bei der AIT wird auch hier in Buchstabe a und b unterteilt:

  • Bema-Nr. CPT a je behandeltem einwurzeligem Zahn = 22 Punkte
  • Bema-Nr. CPT b je behandeltem mehrwurzeligem Zahn = 34 Punkte

Die chirurgische Therapie (offenen Vorgehen) umfasst die Lappenoperation (einschließlich Naht und/oder Schleimhautverbände) sowie das supra- und subgingivale Debridement.

Vor der CPT ist die AIT ein MUSS (Ausnahme: Patienten bei denen nach §22a das vereinfachte Verfahren anwendbar ist).

Die Notwendigkeit für ein offenes Vorgehen kann für Parodontien angezeigt sein, bei denen im Rahmen der Befundevaluation eine Sondierungstiefe von 6mm oder mehr gemessen wird.

Unverändert sind mit der CPT während oder unmittelbar danach erbrachte Leistungen nach den Bema-Nrn. 105, 107 und 107a abgegolten.

Auch nach erfolgter chirurgischer Therapie erfolgen die Nachbehandlungen, Nahtentfernung, Entfernung von Schleimhautverbänden, Spülungen und ggf. nötige Nachreinigungen nach Bema- Nr. 111 abrechenbar.

 

NEU: Bema-Nr. UPT a – g Unterstützende Parodontitistherapie

Die Unterstützende Parodontitistherapie (UPT) besteht aus 7 Abrechnungspositionen. Je nach Buchstabe a bis g müssen die Leistungsinhalte der jeweiligen Maßnahme erbracht und dokumentiert sein. Eine Zeitvorgabe bzw. Mindestdauer für die einzelnen Sitzungen, ist anders als in der GOZ nicht vorhanden. Die UPT-Maßnahmen gelten als Meilenstein in der Bekämpfung der Volkskrankheit. So ist der Patient für zwei Jahre in Überwachung seines parodontalen Zustandes. Ggf. kann eine Verlängerung beantragt werden, um die Behandlungsstrecke auf 2/12 Jahre auszudehnen.

Der Start der UPT beginnt 3 bis 6 Monate nach Abschluss der AIT oder CPT. Somit beginnt die 2-Jahresfrist ab der ersten UPT. Sie erfolgt nach der Durchführung der Befundevaluation. Eine Verlängerung um max. weitere 6 Monate ist durch die Krankenkasse genehmigungspflichtig.

Die Maßnahmen der UPT sollen im Zeitraum der zwei Jahre regelmäßig erbracht werden, wobei sich der Umfang und die Frequenz der UPT nach dem jeweils festgestellten Grad der Parodontalerkrankung (Grading) im Rahmen der Erstbefundung (PAR-Status) richtet, (s.o.):

  • Grad A: einmal im Kalenderjahr mit einem Mindestabstand von zehn Monaten
  • Grad B: einmal im Kalenderhalbjahr mit einem Mindestabstand von fünf Monaten
  • Grad C: einmal im Kalendertertial mit einem Mindestabstand von drei Monaten

Die UPT umfasst folgende Einzelleistungen:

  • UPT a Mundhygienekontrolle = 18 Punkte
  • UPT b Mundhygieneunterweisung = 24 Punkte - nicht neben Ä1 in derselben Sitzung!
  • UPT c Supragingivale und gingivale Reinigung aller Zähne von anhaftenden Biofilmen und Belägen, je Zahn = 3 Punkte - während oder unmittelbar danach erbrachte Leistungen nach den Bema-Nrn. 105, 107 und 107 a sind abgegolten!
  • UPT d Messung von Sondierungsbluten und Sondierungstiefen = 15 Punkte
    • bei festgestelltem Grad B im Rahmen der 2. und 4. UPT
    • bei festgestelltem Grad C im Rahmen der 2., 3. 5. und 6. UPT
  •  UPT e Subgingivale Instrumentierung je einwurzeligem Zahn = 5 Punkte
    • bei Sondierungstiefen von 4 mm oder mehr und Sondierungsbluten
    •  sowie an allen Stellen mit einer Sondierungstiefe von 5 mm oder mehr
  • UPT f Subgingivale Instrumentierung je mehrwurzeligem Zahn = 12 Punkte
    • bei Sondierungstiefen von 4 mm oder mehr und Sondierungsbluten
    • sowie an allen Stellen mit einer Sondierungstiefe von 5 mm oder mehr
  • UPT g Untersuchung des Parodontalzustandes und Dokumentation des klinischen Befundes = 32 Punkte
    • Dokumentation von Sondierungstiefen und Sondierungsblutung, Zahnlockerung, Furkationsbefall, röntgenologischen Knochenabbau sowie die Angabe des Knochenabbaus in Relation zum Patientenalter (%/Alter)
    •  Vergleich der erhobenen Befunddaten mit den Befunddaten der Untersuchung nach Nr. BEV bei Grad A oder nach UPT d bei Grad B und C
    •  einmal im Kalenderjahr abrechenbar ab dem Beginn des 2. Jahres der UPT.

Die neue PAR- Richtlinie mit ihrer umfangreichen Behandlungsstrecke fordert ein Umdenken des in der Praxis bestehenden PAR-Konzeptes. Auch wenn viele Leistungen im Bema nun verankert sind und der Patient Anspruch auf eine PAR-Behandlung (ab Sondierungsstiefe 4 mm oder mehr) hat, werden sicher Maßnahmen durchgeführt, die eben nicht im Leistungskatalog der GKV enthalten sind. Diese Leistungen, können mit dem Patienten gemäß §8 Abs. 7 BMV-Z vereinbart werden und nach GOZ (ggf. auch Analogleistungen) dem Patienten in Rechnung gestellt werden. Überdenken Sie Ihr Leistungskonzept. Evtl. können Sie das neue Konzept auch beim Privatpatienten umsetzen.

Über die Integration von Privatleistungen wird zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.

Über das neue PAR-Konzept wird noch viel zu berichten sein- man denke an die Zeit der Einführung der Festzuschüsse. Bleiben Sie am Ball und Informieren sich regelmäßig über den aktuellen Stand bei Ihrer KZV. Auch die KZBV hat eine extra PAR-Seite mit hilfreichen Informationen und Videos bereitgestellt, die Vertiefung des Themas ist lohnend, um Honorarverluste zu vermeiden.

Die Umsetzung wird deutlich einfacher, wenn die EDV aktualisiert wird, da durch das Prüfprotokoll Ihrer Software dann eine Überschneidung der Leistungen, bzw. die Nichteinhaltung der Mindestabstände vermieden werden.

 

Noch ein erstes Fallbeispiel:

Kerstin Salhoff

Autor Kerstin Salhoff, September 2021
© FORdent by Kerstin Salhoff
info@salhoff.de   *   Telefon 0911 9883680
Telefax 0911 98836820   *   www.salhoff.de

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Frau Salhoff für die gute und langjährige Zusammenarbeit.

Wir wissen Ihre wertvollen Beiträge sowie die kompetente und freundliche Unterstützung unserer oberfränkischen Zahnarztpraxen sehr zu schätzen und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0